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Klavier üben in der Mietwohnung, ohne die Nachbarn zu stören

5. September 20264 Min. LesezeitCeren Ece Soyer
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„Ich würde gern Klavier lernen, aber ich wohne zur Miete." Das höre ich in Hamburg ständig, und fast immer ist es ein lösbares Problem, das für ein unlösbares gehalten wird. Ich unterrichte Schüler in Altbauwohnungen in Eimsbüttel mit Dielenböden und Wänden aus dem Jahr 1905. Es geht. Aber es geht nur, wenn man versteht, was die Nachbarn eigentlich hören.
Fast alle Ratschläge zu diesem Thema behandeln nur die Hälfte des Problems. Luftschall ist das, was du meinst, wenn du „Lautstärke" sagst. Der Ton geht durch die Luft, trifft die Wand, ein Teil kommt nebenan an. Dagegen helfen Kopfhörer, geschlossene Türen, Teppiche, Vorhänge. Körperschall ist etwas anderes. Er entsteht, wenn Schwingung direkt in einen Baukörper übergeht — vom Instrument in den Fußboden, vom Fußboden in die Decke, von der Decke in die Wohnung darunter. Körperschall kümmert sich nicht um Teppiche, weil er gar nicht durch die Luft läuft. Und jetzt kommt der Teil, den fast niemand weiß: Ein Digitalpiano mit Kopfhörern erzeugt weiterhin Körperschall. Nicht durch den Klang — der ist ja in deinem Kopf — sondern mechanisch. Achtundachtzig gewichtete Tasten, die auf ihre Anschlagpunkte treffen, sind ein Klopfen. Über einen Holzständer auf einem Dielenboden wird daraus in der Wohnung darunter ein leises, regelmäßiges Trommeln. Ich hatte eine Schülerin, deren Nachbar sich beschwerte, obwohl sie ausschließlich mit Kopfhörern übte. Sie war überzeugt, er bilde es sich ein. Tat er nicht. Er hörte ihre Tastatur.
Kopfhörer. Das ist der große Hebel, und er löst den kompletten Luftschall. Ein Digitalpiano mit Kopfhörern ist für die Nachbarn akustisch nicht existent. Nimm geschlossene Kopfhörer — offene strahlen hörbar nach außen ab, und ausgerechnet nachts sitzt du damit in einer stillen Wohnung. Das Instrument entkoppeln. Hier wird das Trommeln gelöst. Stell das Piano nicht direkt auf den Dielenboden. Eine Lage Filzgleiter unter den Ständerfüßen ist der erste Schritt; deutlich wirksamer ist eine schwere Platte auf elastischen Dämpfern — auch eine Yogamatte oder ein dicker Teppichrest unter dem gesamten Ständer bringt hörbar etwas. Ziel ist, dass die Schwingung nicht direkt in den Boden geht. Die richtige Wand wählen. Nicht an die Wand zur Nachbarwohnung. Eine Außenwand ist fast immer die beste Wahl, eine Innenwand zu deinem eigenen Flur die zweitbeste. Das klingt trivial und wird trotzdem ständig falsch gemacht, weil das Klavier dahin gestellt wird, wo es optisch passt. Den Anschlag üben, nicht die Kraft. Das ist der Ratschlag, den nur eine Lehrerin gibt: Wer leise spielen kann, stört weniger. Kontrolle über den Anschlag ist ohnehin das, woran wir arbeiten — sie hat hier nur einen praktischen Nebeneffekt.
Eierkartons an der Wand. Akustikschaumstoff. Beides ist für Raumakustik gedacht — also dafür, wie es bei dir drin klingt — und tut für die Schalldämmung zur Nachbarwohnung praktisch nichts. Das ist ein sehr verbreiteter, sehr teurer Irrtum.
In den meisten Hausordnungen gibt es Ruhezeiten, üblicherweise nachts und oft zusätzlich mittags. Daneben gibt es gesetzliche und kommunale Regeln, und Gerichte haben sich mehrfach damit befasst, wie lange am Tag musiziert werden darf — Hausordnung und Mietvertrag sind also ein Anhaltspunkt, aber nicht die ganze Antwort. Musizieren in der Wohnung ist grundsätzlich zulässig, nur eben nicht unbegrenzt. Ich bin Klavierlehrerin, keine Juristin: Wenn es bei dir konkret strittig wird, frag jemanden, der das beurteilen kann — zum Beispiel einen Mieterverein. Aus der Praxis kann ich aber sagen: Der weitaus wirksamste Schritt ist ein Gespräch, bevor das Instrument einzieht. Sag den direkten Nachbarn Bescheid, nenne die Zeiten, in denen du üben willst, und sag dazu, dass du überwiegend mit Kopfhörern spielst. Fast jeder Konflikt, den ich bei Schülern erlebt habe, entstand nicht durch Lautstärke, sondern durch Überraschung.
Manche wollen irgendwann ein echtes Instrument, und in einer Mietwohnung ist das kein Widerspruch. Es gibt zwei Bauarten, die genau dafür gemacht sind: Silent-Systeme. Ein normales akustisches Klavier mit einer Stoppleiste: Du legst einen Hebel um, die Hämmer werden kurz vor der Saite abgefangen, und der Ton wird stattdessen über Sensoren abgenommen und geht in den Kopfhörer. Die Mechanik bleibt die echte — du spielst also weiterhin auf einem richtigen Klavier. Yamaha baut das in seine B-Serie ein, andere Hersteller haben eigene Systeme; nachrüsten lassen sich viele Instrumente ebenfalls. TransAcoustic. Dieselbe Idee, einen Schritt weiter: Das Instrument nutzt seinen eigenen Resonanzboden als Lautsprecher, sodass der digitale Klang aus dem Holz kommt statt aus einer Box. Man kann die Lautstärke regeln, ohne den Charakter zu verlieren. Beides ist deutlich teurer als ein Digitalpiano, und beides ist eine Anschaffung für Leute, die sicher wissen, dass sie dabeibleiben. Für den Anfang ist es nicht nötig — aber es ist gut zu wissen, dass „Mietwohnung" nicht dauerhaft „kein akustisches Klavier" bedeutet. Diese Instrumente führe ich nicht in meiner Liste, weil man sie anspielen sollte; in Hamburg gibt es dafür gute Fachgeschäfte.
Für die allermeisten meiner Schüler in Mietwohnungen ist ein Digitalpiano die richtige Antwort — nicht als Kompromiss, sondern weil es das Problem sauber löst. Das WerbungYamaha P-45 ist kompakt, leicht und hat einen Kopfhöreranschluss. Wenn im Unterricht zwei Paar Kopfhörer daran sollen, reicht ein einfacher Klinken-Splitter für ein paar Euro — dann kann ich mithören, ohne dass der Raum laut wird. Wer mehr Platz und etwas mehr Budget hat, ist mit dem WerbungRoland FP-30X besser bedient. Die Mechanik ist feiner, und wenn du doch einmal ohne Kopfhörer spielst, klingt es im Raum erwachsen statt dünn. Aktuelle Preise stehen bei meinen empfohlenen Instrumenten. Worauf du bei der Mechanik achten solltest — und warum ich sie für wichtiger halte als den Klang — steht in warum ich auf Hammermechanik bestehe. Wenn du ganz am Anfang stehst, fang besser bei deinem ersten Klavier an.
Es gibt Abende, an denen selbst Kopfhörer keine Option sind, weil das Kind nebenan schläft. Dann geht trotzdem etwas: Fingersätze auf der Tischplatte durchgehen, den Notentext lesen und innerlich hören, schwierige Sprünge lautlos auf den Tasten abmessen. Das ist kein Ersatz, aber es ist auch nicht nichts — Bewegungsabläufe und Notenkenntnis profitieren messbar davon.
Beschreib mir kurz deine Situation — Etage, Bodenbelag, Nachbarn, Budget — und ich sage dir, was ich an deiner Stelle aufstellen würde. In den meisten Hamburger Wohnungen ist die Antwort einfacher, als die Leute denken.

Darüber lesen ist das eine — am Klavier sitzen das andere.

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