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Effektiv üben — warum weniger oft mehr ist

20. Mai 2026
Jede Woche sehe ich dasselbe: Schüler, die sich brav hinsetzen, eine Stunde am Instrument verbringen — und bei der nächsten Stunde klingt es genauso wie vorher. Nicht weil sie faul waren. Sondern weil sie nicht wissen, wie man richtig übt. Gezieltes, bewusstes Üben bringt in zwanzig Minuten mehr als zwei Stunden Herumspielen. Das ist keine Übertreibung. Das sehe ich jede Woche.
„Klavier üben" ist kein Ziel. Das ist eine Absicht. Und Absichten ohne Richtung enden damit, dass man das spielt, was man schon kann, und nach einer halben Stunde aufhört. Ein Ziel klingt so: „Den Wechsel von C-Dur nach F-Dur flüssiger kriegen." Oder: „Die ersten vier Takte vom neuen Stück so weit, dass sie ohne Stocken sitzen." Konkret. Überprüfbar. Erreichbar in einer Sitzung. Kleine Ziele motivieren. Und sie geben dir am Ende ein echtes Erfolgserlebnis — nicht das vage Gefühl, irgendwie geübt zu haben.
Langsam üben hilft nur, wenn der Kopf dabei ist. Wer eine Passage durchspielt und nebenbei an etwas anderes denkt, verschwendet seine Zeit. Ein einfacher Test: Wenn du dich beim Üben unterhalten könntest, bist du nicht konzentriert genug. Richtiges Üben heißt: jeden Fehler bemerken, jede Verspannung spüren, jedes Stocken registrieren. Das ist anstrengend. Deshalb sind zwanzig konzentrierte Minuten mehr wert als eine Stunde Autopilot. Schwierige Stellen isoliert angehen. Kleine Abschnitte, langsames Tempo. Erst wenn die sitzen, im Zusammenhang spielen. Nicht andersherum.
Planlos ans Instrument setzen bringt planlose Ergebnisse. Ein Schema, das funktioniert: Aufwärmen (5–10 Min.): Tonleitern, technische Übungen. Finger und Kopf wach machen, bevor man ihnen etwas Schwieriges abverlangt. Hauptteil (20–30 Min.): Hier passiert die eigentliche Arbeit. Eine schwierige Stelle, ein neues Stück, eine Technik. Langsam, sorgfältig, mit voller Aufmerksamkeit. Kreativteil (10–15 Min.): Improvisieren, nach Gehör spielen, herumprobieren. Hier fängt Musik an, Spaß zu machen — und hier festigt sich vieles, was man vorher bewusst erarbeitet hat. Ausklang (5 Min.): Etwas Leichtes, das man gerne spielt. Die Übungszeit soll sich am Ende gut anfühlen, nicht wie eine erledigte Pflicht.
Metronom. Tempo so weit runter, dass die Stelle fehlerfrei klappt. Peinlich langsam? Gut so. Dreimal sauber, dann 5 BPM schneller. Täglich, auch wenn's kurz ist. Dreißig Minuten am Tag bringen mehr als fünf Stunden am Sonntag. Das Gehirn festigt im Schlaf. Tägliche Einheiten geben ihm mehr Gelegenheit dafür. Aufnehmen. Sich selbst zuhören ist oft ein Schock. Aber genau das schließt die Lücke zwischen dem, was man zu hören glaubt, und dem, was wirklich rauskommt. Abwechslung. Wenn eine Stelle nach zehn Minuten auf dieselbe Art nicht besser wird — anders anfangen. Anderes Tempo, andere Fingersätze, anderer Startpunkt. Aufhören, wenn's nicht mehr geht. Müdes Üben schleift Fehler ein. Lieber früher aufhören und morgen frisch weitermachen. Erfolge wahrnehmen. Wenn etwas klappt, das vorher nicht ging: kurz freuen. Klingt banal, hält aber langfristig bei der Stange.
Struktur und Disziplin sind wichtig. Aber Musik macht man nicht, weil sie effizient ist. Wenn sich das Üben dauerhaft wie Pflicht anfühlt, stimmt etwas nicht. An den schwierigen Stellen ernsthaft arbeiten — ja. Aber danach auch einfach spielen dürfen. Ein Stück, das man liebt, nur weil man es liebt. Nicht alles muss sofort was bringen. Die Schüler, die langfristig dabeibleiben, sind die, die beides können: diszipliniert arbeiten und Spaß haben. Das eine schließt das andere nicht aus. Über dieses Zusammenspiel schreibe ich ausführlicher in meinem Beitrag über Musikunterricht für Kinder — und ehrlich gesagt gilt das für Erwachsene genauso. Wer sich von Anfang an eine strukturierte Begleitung wünscht: Ich unterrichte Klavier und Gesang in Hamburg. In einer Probestunde finden wir heraus, ob es passt.

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Ceren Soyer am Klavier in ihrem Hamburger Studio